Artikel: Sardinen in der Bretagne – auf den Spuren einer langen Tradition

Sardinen in der Bretagne – auf den Spuren einer langen Tradition
Wer durch Douarnenez an der bretonischen Atlantikküste läuft, begegnet ihnen erstaunlich oft: Sardinen auf Hausfassaden, in Schaufenstern, als kleine Details im Stadtbild und natürlich am Hafen.
Als wir vor Kurzem selbst in Douarnenez waren, wurde uns schnell klar, wie eng die Geschichte der Stadt mit diesem kleinen silbernen Fisch verbunden ist. Denn die Sardine ist hier weit mehr als eine kulinarische Spezialität. Über Generationen hinweg prägte sie Fischerei, Arbeit und Alltag – und ihre Spuren sind bis heute sichtbar.
Douarnenez und die Sardine
Douarnenez liegt im Westen der Bretagne im Département Finistère. Die geschützte Bucht und die Nähe zu den reichen Fischgründen des Atlantiks machten den Ort schon früh zu einem wichtigen Standort für die Fischerei.
Besonders die Sardine sollte die Entwicklung der Stadt entscheidend beeinflussen. Im 19. Jahrhundert erlebte die Sardinenfischerei in Douarnenez ihre Blütezeit. Hunderte Boote waren zeitweise im Sardinenfang tätig und rund um den Hafen entstanden zahlreiche Betriebe, die den frisch angelandeten Fisch weiterverarbeiteten.

Mit der zunehmenden Verbreitung der Konservendose entwickelte sich daraus eine ganze Industrie. Sardinen konnten nun haltbar gemacht und weit über die Bretagne hinaus transportiert werden. In Douarnenez entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche Konservenfabriken und die Sardine wurde zu einem wichtigen wirtschaftlichen Motor der Stadt.
Die „Penn Sardin“ – Frauen, die Douarnenez mitprägten
Zur Geschichte der Sardine gehören in Douarnenez nicht nur die Fischer auf dem Meer. Eine ebenso wichtige Rolle spielten die Frauen, die in den Konservenfabriken arbeiteten.
Sie wurden „Penn Sardin“ genannt, bretonisch für „Sardinenkopf“. Der Name wird mit ihrer charakteristischen Kopfbedeckung in Verbindung gebracht.
Wenn die Fischer mit ihrem Fang in den Hafen zurückkehrten, begann für die Arbeiterinnen die Verarbeitung. Die Sardinen mussten möglichst frisch vorbereitet und konserviert werden. Ihre Arbeit war damit ein wesentlicher Bestandteil der Sardinenindustrie, die Douarnenez über Jahrzehnte prägte.
Die Penn Sardin wurden schließlich auch über die Stadt hinaus bekannt: 1924 traten die Fabrikarbeiterinnen für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen in einen mehrwöchigen Streik. Ihr Arbeitskampf wurde zu einem wichtigen Kapitel der Sozialgeschichte von Douarnenez.
Warum Sardinen und Konserven so eng zusammengehören
Was heute als französische Feinkost geschätzt wird, hatte ursprünglich vor allem einen praktischen Zweck: Die Konservierung machte den empfindlichen Fisch haltbar.
Frische Sardinen mussten nach dem Fang schnell verarbeitet werden. Durch das Einlegen in Dosen konnten sie länger aufbewahrt und über größere Entfernungen verkauft werden. So entwickelte sich an der französischen Atlantikküste eine ausgeprägte Tradition der Fischkonserven.
Diese Tradition hat sich bis heute erhalten. Hochwertige Sardinenkonserven gelten in Frankreich keineswegs nur als Vorratsprodukt. Entscheidend sind unter anderem die Qualität des Fisches, der Zeitpunkt des Fangs, die sorgfältige Verarbeitung und natürlich das Öl oder die Zutaten, mit denen die Sardinen eingelegt werden.

Die Sardine ist in Douarnenez bis heute präsent
Auch wenn sich Fischerei und Verarbeitung seit der Blütezeit im 19. Jahrhundert stark verändert haben, ist die Verbindung zwischen Douarnenez und der Sardine nicht verschwunden.
Das merkt man bereits bei einem Spaziergang durch die Stadt. Rund um den Hafen erinnern alte Gebäude und Fassaden an die frühere Konservenindustrie. Sardinen tauchen auf Schildern, in Geschäften und als Motive im Stadtbild auf.

Und vor allem werden in Douarnenez weiterhin Sardinen angelandet. Die jahrhundertealte Geschichte ist hier also nicht nur Vergangenheit, sondern Teil einer bis heute lebendigen maritimen Kultur.
Von Douarnenez zu unseren Sardinen von La Compagnie Bretonne
Genau hier gibt es auch eine direkte Verbindung zu unserem Sortiment bei Amuse-Goût.
La Compagnie Bretonne ist an der bretonischen Küste zuhause und widmet sich seit mehreren Generationen der Herstellung von Fischkonserven. Während der Sardinensaison von Mai bis Oktober stammen die für ihre Konserven verwendeten Sardinen unter anderem aus Douarnenez.
Nach dem Fang werden die Sardinen frisch verarbeitet und anschließend beispielsweise in hochwertigem Olivenöl eingelegt. Neben klassischen Varianten entstehen auch Kompositionen mit typisch französischen Zutaten und Gewürzen.

Nachdem wir Douarnenez nun selbst besucht und gesehen haben, wie präsent die Sardine dort noch immer ist, bekommt diese Herkunft für uns noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
Ein kleiner Fisch mit großer Geschichte
Vielleicht ist genau das der Grund, warum Sardinen so gut zur Bretagne passen: Sie erzählen von der Nähe zum Atlantik, von Fischereihäfen und traditionellem Handwerk, aber auch von den Menschen, deren Leben über Generationen mit dem Meer verbunden war.
In Douarnenez lässt sich diese Geschichte bis heute besonders gut entdecken.
Und so steckt hinter einer Dose bretonischer Sardinen manchmal sehr viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

















